Geschichte

Das Collegium musicum wurde am 18. November 1953 durch den Musikwissenschaftler Emil Platen an der Universität Bonn gegründet und zunächst vom damaligen Ordinarius für Musikwissenschaft Prof. Dr. Joseph Schmidt-Görg geleitet. Fünf Jahre später übernahm dann der mittlerweile promovierte Emil Platen die Leitung und wurde 1963 zum Akademischen Musikdirektor ernannt. 1990 übernahm Walter L. Mik und ab 2012 André Kellinghaus die Leitung. In den beiden Gründungsensembles, dem Chor und dem Orchester, konnten über die Jahrzehnte hinweg hunderte von Studenten ihre Musikalität ausleben. Im Laufe der Zeit versammelten sich immer mehr Ensembles unter dem Dach des Collegium musicum: Es entstanden unter anderem ein Kammerchor, das Akademische Orchester, der Jazzchor, die Camerata musicale und die Bigband. Viele Musiker und Sänger blieben dem Collegium musicum auch nach dem Hochschulabschluss treu, wodurch die Ensembles bis heute eine vielfältige Altersstruktur und eine konstante Qualität vorweisen können. Daher standen die Ensembles auch immer externen Musikbegeisterten offen, die sie mit ihrem Können bereicherten.

Ensembles feiern Erfolge

Auf Konzertreisen in die ganze Welt konnten die Bonner Musiker ihr Repertoire von berühmten Oratorien und großen Sinfonien präsentieren. So gastierte das Orchester beispielsweise als erste westliche Studentengruppe 1966 in Rumänien oder wurde im Jahr 2000 als erstes Orchester nach Nordkorea eingeladen. Der Chor reiste bereits in die USA, nach Brasilien, Polen, Italien und Frankreich. Außerdem nahm der Chor im Mai 2010 als bislang einziger Universitätschor mit Erfolg am Bundeswettbewerb des Deutschen Musikrats teil. Doch auch in Bonn gehörten die Ensembles bisher zu festen Größen im Kulturangebot der Hochschule und darüber hinaus.

Zeiten des Aufbruchs

Aufgrund von Umstrukturierungen im Kulturbetrieb der Universität wurde 2014 das Collegium musicum als zentrale Betriebseinheit der Uni Bonn aufgelöst. Die darauf folgenden Auseinandersetzungen zwischen der damaligen Universitätsleitung und den Musikerinnen und Musikern führten dazu, dass Chor und Orchester mehrere Semester lang selbstorganisiert außerhalb der Universität musizierten. Infolge einer Wiederannäherung zur Alma Mater traten die Ensembles des Collegium musicum zum Sommersemester 2016 dem Kulturforum der Uni Bonn bei und musizieren nun wieder innerhalb der Universität.


Ehemalige Akademische Musikdirektoren

Prof. Dr. Emil Platen

platen Prof. Dr. Emil Platen, geb. 16.09.1925 in Düsseldorf, 1946-50 Studium der Fächer Viola, Komposition und Chordirigieren an der Musikakademie Detmold, 1950 Chorleiterexamen. Ab 1951 Studium der Musikwissenschaft, Kommunikationsforschung und Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1953 Mitbegründer des Collegium musicum an der Universität Bonn, dessen Leitung er 1957 übernahm. 1964 Akademischer Musikdirektor und 1971 Honorarprofessor für Musikwissenschaft an der Universität Bonn. 1969 gründete er zusammen mit Hans-Josef Menke das Landes-Jugend-Sinfonieorchester Nordrhein-Westfalen. Nach der Pensionierung war er von 1994 bis 2003 als Lehrbeauftragter für Musikgeschichte an der Hochschule für Musik Köln tätig. Mit dem Collegium musicum der Universität Bonn unternahm er zahlreiche Konzertreisen in Europa und nach übersee. Schwerpunkt seiner Forschungen sind die Formenlehre der Musik und die Werke J. S. Bachs und L. van Beethovens. Aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums des Collegium musicum trat erstmals ein "Ehemaligen-Orchester" zusammen, das schließlich zur Keimzelle des Akademischen Orchesters wurde.

Walter L. Mik

mik Walter L. Mik wurde 1951 in Dinslaken geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung zunächst an der Gesamthochschule Duisburg, sowie den Konservatorien Duisburg (Folkwang Hochschule im Ruhrgebiet) und Düsseldorf (Robert-Schumann-Hochschule) in den Fächern Cello und Gesang. Die weitere Ausbildung erfolgte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und durch Meisterkurse bei Helmuth Rilling, Manfred Schreier, László Heltay und anderen. Seine weitere dirigentische Ausbildung erfolgte am Konservatorium in Arnheim (ArtEZ) in den Niederlanden bei Joop Schets. Seine berufliche Laufbahn führte Walter L. Mik als Musikschulleiter in verschiedene Teile Deutschlands, unter anderem als Chor- und Musikschuldirektor zu den Hofer Symphonikern nach Bayern. Im Jahr 1990 wurde er schließlich als Akademischer Musikdirektor an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn berufen. Bis 2012 war er dort für die Arbeit mit dem großen Sinfonieorchester und Chor der Universität verantwortlich. Mit diesen Ensembles trat er in den letzten Jahren sowohl in Bonn, Köln und weiteren Städten Deutschlands als auch auf zahlreichen Konzerttourneen in über zwanzig Ländern auf. Darüber hinaus wurde er in dieser Zeit zu Dirigaten mit verschiedenen Amateur- und Profi-Ensembles in Bulgarien, Weißrussland, Polen, USA, Niederlande, Zypern, ägypten und Palästina eingeladen. Seine Arbeit ist inzwischen durch mehrere CD-Einspielungen dokumentiert, u.a. Aufnahmen mit dem Requiem von Johannes Brahms, die Ersteinspielung der Bonner Sinfonien von Joseph Touchemoulin und Mittelalterliche Musik aus Zypern. Neben seinen Bonner Aufgaben war Walter L. Mik als Lehrer an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und mehrfach als Gastprofessor am "Cairo Conservatoire" tätig. In letzter Zeit nahmen Kooperationen mit dem Edward Said National Conservatory of Music in Palästina einen großen Raum ein und führten zu einem großen Projekt mit dem palästinensischen Jugendorchester und dem Orchester der Bonner Universität in Ramallah, Jerusalem, Haifa, Amman und Damaskus. 2008 gründete er zusammen mit Studenten und Dozenten das Forum kulturelle Zusammenarbeit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, das seitdem Kooperationsprojekte studentischer Kulturgruppen initiiert, berät und unterstützt. Neben den hauptberuflichen musikalischen Tätigkeiten gewinnen Auftritte als Rezitator in letzter Zeit an Bedeutung. Programme zum Thema Dadaismus, Melodram und sonstige Lyrik, immer in Verbindung mit Musik, kennzeichnen diese Arbeit.

André Kellinghaus

kellinghaus André Kellinghaus studierte Klavier, Dirigieren und Schulmusik an der Hochschule für Musik Köln und an der Folkwang-Universität Essen. Erste Engagements führten ihn als Solorepetitor und Assistent des General- musikdirektors an die Stadttheater in Osnabrück und Gießen. Danach war er als Assistent des Chordirektors an der Berliner Staatsoper Unter den Linden tätig, ging als 1. Kapellmeister an das Theater Pforzheim und assistierte darüber hinaus bei den Bayreuther Festspielen in den Jahren 2009 und 2010. Im Herbst 2010 wurde er Chordirektor an der Komischen Oper Berlin. Von Oktober 2012 bis Februar 2014 war er als Nachfolger von Walter Mik Akademischer Musikdirektor der Universität Bonn.

Andreas Winnen

andreas winnen Andreas Winnen erhielt Violinunterricht u.a. bei Wolfgang Rausch und Gerhard Bosse, bevor er seine musikalische Ausbildung in Dirigierklassen an den Musikhochschulen in Köln und Freiburg forsetzte. Durch langjährigen Gesangsunterricht bei Prof. Richard Reiss erweiterte er seine Kenntnisse besonders in Richtung des Opernfachs. Von 1994 bis 1996 erteilte er als Tutor für Chor- und Orchesterleitung an der Freiburger Musikhochschule Dirigierunterricht und schloss dort das Aufbaustudium mit Auszeichnung ab. 1992 wurde er Konzertmeister und Dirigent des neu gegründeten Mladi-Kammerorchesters Bonn, mit dem er eine Vielzahl bekannter Werke der Streichorchesterliteratur einstudierte. 1998 übernahm er die musikalische Leitung des Bonner Jugendsinfonieorchesters, das sich unter seiner Leitung zum wichtigsten Nachwuchsklangkörper der Stadt entwickelte. Für sein musikalisch-pädagogisches Engagement wurde er von Lions International mit der Medal of Merit ausgezeichnet. Neben der Arbeit als Orchesterleiter ist Andreas Winnen weiterhin ein gefragter Konzertmeister mit einem großen Repertoire im symphonisch konzertanten sowie oratorischen Bereich.